Botschafter des Unternehmens

Social Media Marketing – Der Talk – Michael Kundel

Auf die Plätze – fertig – Post! Social Media Marketing ist für viele Unternehmen heutzutage unerlässlich und hilft ihnen bei der Erreichung ihrer Ziele. Doch wir wollen es genau wissen! Wie wird Social Media Marketing in Firmen eingesetzt und wo liegen die Schwerpunkte? Jedes Unternehmen kann sich von anderen differenzieren, sei es durch das Tätigkeitsfeld, die Mitarbeiter oder sonstige Besonderheiten.

Wir befragen Unternehmen nach ihrem Social Media Auftritt und wie sie diesen für sich nutzen.

Heute im Gespräch Michael Kundel, Vorstandsvorsitzender der RENOLIT SE. Der Name RENOLIT steht weltweit für technische Kompetenz, modernes Produktdesign und partnerschaftlichen Service: Ihre Produkte veredeln Oberflächen, dichten ab, schützen, stabilisieren und bieten viele weitere Vorzüge. Als international tätiges, unabhängiges Familienunternehmen, zuverlässiger Geschäftspartner und Arbeitgeber zielt es darauf ab, den Unternehmenserfolg langfristig zu gewährleisten. 

Mit dekorativen, qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Kunststoffprodukten schaffen sie einen klaren Mehrwert für ihre Kunden und verbessern die Lebensqualität vieler Menschen.

Sehr geehrter Herr Kundel, wir konnten erfreut feststellen, dass Sie sehr aktiv Social Media als Kommunikationsmittel nutzen. Was war ausschlaggebend, um diese Plattformen zu nutzen?

Ich habe mich natürlich zu Beginn intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und mit Kollegen diskutiert: Wo ergibt es Sinn?

Wenn man in einer Führungsposition ist, dann geht es um die Frage, wo setzt du deine Ressourcen am effizientesten ein und somit war relativ schnell klar, dass dies auf einem professionellen Netzwerk stattfinden muss, wie es LinkedIn ist. Das Spannende ist, dass man hier mit Unternehmensführern und Unternehmenslenkern in Kontakt treten und zu aktuellen Themen austauschen kann. Man baut sich sozusagen sein eigenes Ökosystem innerhalb des Netzwerksystems auf und kommt damit in einen regen Austausch.

Es ist faktisch ein Zusatzinstrument, um sich Informationen und Wissen anzueignen, aber auch um sich mitzuteilen. Das ist auch meine persönliche Rolle, das Unternehmen ein Stück weit zu repräsentieren.
Dabei geht es nicht nur um meine eigene Person, sondern eher die Aufgabe als Vorstandvorsitzender einen Beitrag für das Unternehmen zu leisten und damit die eigenen Themen deutlich zu machen.

Was können Sie als Erfahrungswert an Führungskräfte weitergeben, um Social Media erfolgreich für das eigene Profil und Unternehmen zu nutzen?

Jeder, der sich in den sozialen Medien bewegt, weiß um die Bedeutung des Themas – und ist als Führungskraft oder angehende Führungskraft Botschafter seines Unternehmens. Es ist eine Plattform, um sich einerseits mitzuteilen, aber gleichzeitig seinen Beitrag dazu zu leisten, dass bestimmte Themen, die aus Sicht des Unternehmens wichtig sind, auch mal aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden. Wie für uns zum Beispiel das Thema Nachhaltigkeit.

Zusätzlich tragen auch unsere jüngeren Mitarbeitenden ihren Teil bei und wirken als Markenbotschafter, in dem sie auf Instagram ihre Erfahrungen mit RENOLIT teilen und somit wiederum auf Ausbildungsangebote aufmerksam machen. Getreu der Aussage: „Mensch, RENOLIT hat ein tolles Konzept, ist ein tolles Unternehmen und bietet perspektivisch Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln.“

Letztendlich ist es das, was für unsere jungen Leute, die Nachwuchskräfte und für die Führungskräfte relevant ist. Wir haben ein Medium, wo sie sich weiterbilden und Informationen besorgen können. Diese Informationen führen dazu, dass sie ihren Wissens- und ihren Erfahrungshorizont erweitern. Darum geht es letztendlich. Ein lebenslanges Lernen ist für uns alle angesagt und da kann ich mich nicht nur auf ein Medium verlassen. Ich muss mehrere Kanäle, mehrere Medien bespielen, damit ich auf dem aktuellen Stand des Wissens bleibe. Ebenso es als Herausforderung sehen, mich darin weiterzuentwickeln.

Wie sind Ihre Erfahrungen in Bezug auf die Ängste von Führungskräften des aktiven Abwerbens von Mitarbeitenden durch Headhunter auf diesen Netzwerken?

Natürlich werden die sozialen Medien dazu beitragen, dass diese Plattformen für Headhunting-Unternehmen besonders attraktiv sind. Sie wissen, dass sie dort Zielgruppen finden, die sie sehr gezielt ansprechen können. Das liegt in der Natur der Sache.
Letztendlich muss jedoch jedes Unternehmen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Mitarbeitenden sich einfach wohlfühlen. Damit die Mitarbeitenden auch ihr Commitment mit dem Unternehmen sehen und sagen: „Hier fühle ich mich wohl, hier sehe ich auch einen Sinn in meiner Arbeit“.

Ich teile die Ängste somit definitiv nicht, weil ich glaube wir profitieren viel mehr davon, dass wir Mitarbeitende und auch Führungskräfte haben, die wirklich das Unternehmen repräsentieren und auch Pluralität in die Diskussion reinbringen. Mitarbeitende die zeigen, wofür wir als Menschen und Unternehmen stehen. Das bringt uns viel mehr Reichweite und viel mehr Vorteile, als dass ich Nachteile darin sehe.

Aus meiner Sicht wiegen also die Vorteile das auf und ich habe nicht das Gefühl, dass wir seit dem wir uns auf den sozialen Medien bewegen, mehr Mitarbeitende verloren hätten, weil sie über Headhunting-Unternehmen angesprochen worden sind.

Die erfolgreichsten Plattformen Facebook, LinkedIn und Instagram sind alle im Marketing-Portfolio der RENOLIT SE enthalten und bieten den Usern spannende Einblicke in das Unternehmen. Mit welcher Strategie passen Sie die Inhalte an die jeweiligen Kanäle an, um die gewünschte Zielgruppe zu erreichen?

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, uns breit aufzustellen und damit unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen.

Zum Beispiel nutzen wir Instagram, um gezielt junge Menschen anzusprechen, die als Schulabgänger das Thema Ausbildung oder duales Studium interessiert.

Wiederum sehen wir auf LinkedIn weniger Nachwuchskräfte, somit ist das dortige Informationsangebot ein anderes. Jeder Kanal erhält somit zielgruppengerechte Themen, welche auf die Plattform zugeschnitten sind.

Wir wollen zielgruppenorientiert vermitteln, was uns wichtig ist, und dann geht man eben auch anders vor. Dann gibt es andere Formate, die wir bespielen, und das macht aus meiner Sicht auch nur Sinn, weil ein Einerlei, one-fits-all, im Social Media Bereich nicht funktioniert. Deshalb gibt es diese unterschiedlichen Kanäle, die sich an unterschiedliche Zielgruppen wenden“.

Anders als das klassische Offline Marketing ermöglicht Online Marketing eine schnelle und vor allem länderübergreifende Kommunikation. In welcher Hinsicht konnte sich der Social Media Auftritt auf Ihr internationales Marketing auswirken?

Wir sind ein global aufgestelltes Unternehmen, auf drei Kontinenten, an über 30 Standorten. Was unsere Kommunikations- und Marketingaktivitäten angeht, sind wir in einer Matrix-Struktur eingebunden, und haben zentrale Dienstleistungsbereiche wie Corporate Communications. Diese arbeiten über die ganze Unternehmensstruktur mit den Standorten zusammen, aber gleichzeitig auch mit den Marktorganisationen.

Wir haben damit Ansprechpartner an jedem Standort, was Kommunikations- und Marketingthemen angeht. Nicht nur wegen Social Media, erleben wir, wie sehr die Digitalisierung uns heute auch Möglichkeiten bietet viel kurzfristiger in den Dialog und Austausch zu kommen, was vor wenigen Jahren noch völlig undenkbar war.

Ich habe zudem die Möglichkeit, Botschaften über die sozialen Medien sehr viel schneller zielgruppenorientiert zu positionieren und dann über die unterschiedlichen Kanäle auszuspielen.
Wir nutzen dies, um in bestimmten Anwendungsfeldern über unsere Produkte oder unsere Aktivitäten zu reden. Wir können gezielt Länder ansprechen, beziehungsweise dort Werbung machen, die vielleicht heute keine Kernmärkte sind, aber für uns trotzdem ein großes Wachstumspotenzial haben. Damit kommen wir sehr gezielt an eine Zielgruppe heran, die wir ganz konkret bedienen wollen und wo wir heute vielleicht noch gar nicht die Infrastruktur haben, ihr Interesse zu wecken.

Die wenigsten wissen zum Beispiel, welchen Beitrag Kunststoffe tatsächlich leistet. Was wir zum Teil mit unseren Produkten an Beiträgen leisten, um Energie einzusparen und zwar ein Vielfaches dessen, was zu der Herstellung des Produkts benötigt wird. Das sind Themen, die kann man sehr konkret zielgruppenorientiert bespielen und mit einer Geschwindigkeit, wie es vor wenigen Jahren einfach gar nicht möglich gewesen wäre, wenn man über Printmedien geht oder über Messen.

Heute kann man sehr schnell über die sozialen Medien Botschaften teilen und durchaus Pluralität in die Diskussion reinbekommen. Da auch konstruktive Kritik vorhanden ist, die man aufgreifen muss. Das ist für uns von außen auch die Chance, darüber nachzudenken, wo wir noch Defizite haben – und wir sind keineswegs vollkommen, sondern wir benutzen dies auch als Spiegel, um besser zu werden.

Wir sind der Meinung, dass eine enge Kommunikation, sei es im direkten Gespräch oder per Social Media, immer Vertrauen schafft und somit auch Unternehmen interessante Möglichkeiten eröffnet. Die RENOLIT SE ist ein international agierendes Unternehmen, das an seinen Standorten als starker und zuverlässiger Arbeitgeber und Partner bekannt ist. Was ist das Geheimnis hinter diesem Erfolg?

Man kann es anhand einiger wesentlicher Kernpunkte festmachen. Wir sind seit 76 Jahren ein Unternehmen, das in Familienbesitz war und ist, und auch bleiben wird und zwar ausschließlich. Wir haben eine sehr erfolgreiche Historie, und ich glaube, was bei uns immer im Vordergrund stand, das sind die Menschen.

Das sind nicht nur die Führungskräfte, es sind vor allen Dingen die Menschen, die das Geschäft tragen und wie wir mit den Menschen umgehen. Ich glaube, die Wertschätzung, und den Menschen das Gefühl zu geben: Ihr seid wirklich der Kern dessen, was RENOLIT ausmacht.

Technologie und Produktionsmittel kann man sich aneignen. Was man aber nicht ohne Weiteres ersetzen kann, das ist genau das Know-how der Menschen.

Für uns als Unternehmen war immer die Verlässlichkeit wichtig. Wir sind ein verlässlicher Partner für unsere Kunden, für unsere Lieferanten, aber genauso für unsere Mitarbeitenden. Wenn es mal eine schwierige Situation gibt, dann ist es uns immer ein großes Anliegen, fair und wertschätzend mit den Menschen umzugehen, ihnen das Gefühl zu geben, sie sind wichtig, und wir behandeln sie fair in jeder Situation, in guten aber auch in schwierigen Zeiten.
Ich glaube, das manifestiert sich auch darin, dass unsere Fluktuationsrate relativ gering ist, dass wir eine lange Betriebszugehörigkeit haben. Nicht nur in Deutschland, sondern nahezu weltweit an unseren Standorten.

Wenn man sich die RENOLIT anschaut, wo wir vor 15 Jahren standen, mit einem Umsatz von 400 Millionen und im letzten Jahr sind wir knapp an die 1,3 Milliarden gelangt. Daran kann man schon ermessen, was uns insgesamt in den zurückliegenden Jahren gelungen ist. Den Menschen die Sicherheit zu geben, nach vorne zu blicken; als Familienunternehmen die Werte wie Verlässlichkeit, wie Partnerschaftlichkeit zu pflegen, und -last but not least- auch eine klare Strategie zu haben, die den Menschen das Gefühl gibt: „Die wissen, wo es langgeht“.

Mache sie nicht zu Betroffenen, sondern zu Beteiligten dessen, was du gemeinsam erreichen willst“.

Zu verstehen, wo will die Unternehmensgruppe hin, und was bedeutet das für mich. Diese Partizipation, diesen Sinn in der täglichen Arbeit zu erkennen, der macht ein Stück weit den Unterschied. Hinzu kommt, dass wir Familienunternehmen eher längerfristig denken als vielleicht börsennotierte Unternehmen oder Unternehmen in den Händen von Finanzinvestoren.

Ein spannendes Projekt der RENOLIT SE ist die Juniorfirma. Wie kam es zu der Idee, jungen Mitarbeitenden und angehenden Führungskräften mit einer solchen visionären Aufgabe zu betrauen?

Wir wollen jungen Menschen frühzeitig die Möglichkeit geben, ein eigenes Geschäftsmodell von A bis Z zu planen, zu entwickeln, aber auch umzusetzen.

Wenn dann aus dieser Idee heraus ein Produkt generiert wird, dann sollen die Einnahmen zum einen dazu dienen, die damit verbundenen Kosten ein Stück weit abzudecken, zum anderen und das ist der wesentliche Aspekt, werden sie dafür genutzt, eine Spende zu tätigen.

Hier sind ebenfalls alle Beteiligten im Findungsprozess eingebunden und können entscheiden, welches soziale Projekt sie unterstützen möchten. Wir freuen uns, dass dies bisher jedes Jahr und mit jedem neuen Team erfolgreich geklappt hat.

Das Projekt selbst ist von dem Ausbildungsbereich ins Leben gerufen worden. Das Ziel: Jungen Menschen sehr frühzeitig in der Ausbildung bereits die Chance zu geben, ein Geschäftsmodell komplett eigenständig zu entwickeln. Es dient dazu, die Wissensbasis der jungen Menschen zu erweitern, ihnen auch sehr früh schon mal Eigenverantwortung zu geben und zu sagen: „Bitte überlegt euch euer Thema, wir beraten euch, begleiten euch gerne, aber ihr müsst die Entscheidung treffen, ihr müsst es umsetzen.“

Im Detail wird ein vollständiger Businessplan erstellt, der das ganze Projekt, Kosten, Einnahmen und das zu entwickelnde Produkt beschreibt.

Im vergangenen Jahr wurde eine tolle Uhr mit einer Folierung entwickelt, welche dann intern vermarktet wurde.

Durch die Corona-Pandemie gab es viele Herausforderungen zu bewältigen. Sei es in Form der massiv vorangetriebenen Digitalisierung, als auch in greifbareren Feldern wie zum Beispiel Lieferwege. Wie haben Sie diese Herausforderung angenommen und welches Resümee ziehen Sie aus diesen außergewöhnlichen Zeiten, auch im Hinblick auf Ausweichkonzepte in der Materialbeschaffung, Nearshoring, Klimawandel oder Gesundheitsmaßnahmen für die Belegschaft?

Wir sind, wie alle anderen Unternehmen, von dieser Pandemie stark betroffen gewesen. Wir hatten von Beginn an bis aktuell jetzt, Januar 2022, über 900 Infektionen weltweit bei 5.000 Mitarbeitenden.

Wie sind wir dieser Situation begegnet? Wir haben sehr schnell und sehr flexibel reagiert. Wir haben an den Standorten Teams gebildet, Präventionsteams nennen wir sie, die sich des Themas angenommen und sichergestellt haben, dass klare Regeln existieren.

Dass diese Regeln kommuniziert und verstanden und vor allem eingehalten werden. Wir haben uns des Weiteren sehr früh mit dem Thema Impfen beschäftigt und unseren Mitarbeitenden, als auch deren Familienmitgliedern, Impfangebote gemacht. Dies konnten wir über unsere Betriebsärzte realisieren.

Es ist uns wichtig, dass wir im Sinne des betrieblichen Gesundheitsmanagements Angebote schaffen, die auch nach Corona wirken und die einfach unsere Mitarbeitenden gesund und fit halten sollen.

Hierfür haben wir das Job-Rad, Gesundheitskurse und bieten gesunde Ernährung über unsere Betriebskantinen an. All diese Dinge möchten wir erhalten und dort wo es sinnvoll ist weiter ausbauen.

In der Krise hatten wir schwierige Phasen und mit starken Auftragseinbrüchen zu arbeiten. Hier hat uns geholfen, dass wir uns in vielen Märkten sehr breit (national, wie international und in verschiedensten Branchen) aufgestellt und somit das Risiko ausbalanciert haben. Dies versetzte uns in die Lage, die dann wieder stark anziehende Nachfrage, insbesondere der Bauindustrie und der Medizinbranche (bspw. auch Folien für die Herstellung von mRNA Impfstoffen) zu bedienen.

Natürlich waren wir ebenfalls von der Rohstoffkrise betroffen, aber nicht nur wegen Corona. Hinzu kamen weitere Aspekte, wie der Wintersturm im letzten Jahr, welcher die ganze Petrochemie in den Vereinigten Staaten für mehrere Wochen lahmgelegt hat. Das hatte zum Teil dramatische Auswirkungen auf die globale Kunststoffproduktion und damit natürlich auch für uns als Kunststoffverarbeiter.

Jedoch das, was wir in den zurückliegen zwei Jahren erlebt haben, ist mir in 35 Jahren Branchenerfahrung noch nicht widerfahren. Eine Anzahl von Erklärungen höherer Gewalt(Force Majeure) unserer Lieferanten, wie wir sie so in Europa noch nie gekannt haben, weder in der Anzahl noch in der Bedeutung für uns als Verarbeiter. Wir hatten, ganz abgesehen von der Preisentwicklung, große Schwierigkeiten, Rohstoffe termingerecht zu bekommen,
Wir haben es dank unseres Geschäftsmodells, unserem internationalen Netzwerk und durch die gute Zusammenarbeit mit den Einkäufern an unseren weltweiten Standorten hinbekommen, dass wir ganz überwiegend die hohen Bedarfe in den Standorten, wo wir produzieren, abdecken konnten, egal ob in China, in Nordamerika, Lateinamerika oder hier in Europa und sind dann eigentlich doch sehr gut durchgekommen.

Was wir auch gelernt haben ist, dass Flexibilität ein entscheidendes Kriterium ist. Du kannst dich nicht mehr darauf verlassen, wenn eine Vereinbarung mit einem Lieferanten besteht, dass auch wirklich alles kommt, sondern du musst dich darauf einstellen, dass diese Welt einfach volatiler, schnelllebiger geworden ist.
Man benötigt Optionen und Alternativen auf allen Instanzen der eigenen Produktion. Das entspricht auch ein wenig unserer grundlegenden Linie, dass wir schon seit vielen Jahren und Jahrzehnten eigentlich der Maxime folgen: Wir produzieren dort, wo ein Markt ist. Wir gehen dorthin, wo unsere Kunden sind und das heißt, wir beschaffen damit auch überwiegend lokal.

Unser Local Content auf der Beschaffungsseite liegt in der Regel bei über 90 %, und das macht uns damit natürlich ein Stück weit weniger angreifbar als vielleicht andere Unternehmen, die deutlich höhere Importmengen brauchen oder Importquoten haben.

Es war herausfordernd, ist es immer noch und wir werden weiterhin intensiv daran arbeiten, dass wir mit ausreichend Alternativen bestückt sind, um uns global zu versorgen.

Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demografie

Mit Blick nach Berlin und der neuen Bundesregierung, welche Impulse erwarten Sie zur Stärkung der Wirtschaft und dem sozialen und kulturellen Leben?

Es gibt drei Kernelemente, die mit Blick auf die Zukunft von herausragender Bedeutung sind:

  • Digitalisierung
  • Dekarbonisierung, Defossilisierung und im Kern die Klimaneutralität
  • Demografie

 

Dies sind im Wesentlichen die Herausforderungen der Zukunft.

Im Bereich der Digitalisierung ist Deutschland keine Benchmark im internationalen Vergleich. Wir müssen schneller werden, wir brauchen den Ausbau der Netze, wir brauchen notwendige und richtige Entscheidungen in Digitalisierung der Bildung. Wenn ich mir heute die Schulen anschaue, was da teilweise noch für Standards herrschen, dann ist es für ein Land der Dichter und Denker der Vergangenheit vielleicht angemessen, aber nicht mehr das, was wir in der Zukunft brauchen, wenn wir ganz vorne im Konzert der führenden Wirtschaftsnationen in Europa bzw. global mithalten wollen.

Hier braucht es einen massiven Zubau und finanzielle Unterstützung, aber die Politik muss hierfür die Rahmenbedingungen richtig setzen, damit das stattfinden kann – und das ist eine klare Erwartungshaltung an die Politik, dass es ihr ernst ist mit dem Thema Digitalisierung – und kein Stückwerk bleibt. Es muss explizit der politische Wille dazu da sein, und die Umsetzung erfolgen.

Dekarbonisierung: Wir beschäftigen uns intensiv mit der Dekarbonisierung unserer Produktion und mit dem Aufbau und Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung. Hier stellen wir uns die Frage: Ergibt es Sinn, uns langfristig über ein sogenanntes Power-Purchasing-Agreement direkt an erneuerbarer Energie (z.B. Windpark) zu beteiligen, was dann für uns ein Schritt in Richtung Defossilisierung unserer Energieversorgung bedeuten würde?

Des Weiteren stellen wir unseren Fuhrpark auf E-Mobilität um. Dies ist ein kleiner Beitrag und zugleich Signal. Was wir brauchen, ist ein völlig neu gedachtes Konzept mit marktgerechten Mitteln der Energiewirtschaft. Es gilt hier einen europäischen Konsens zu bilden, weg von einer rein subventionierten Energiepolitik wie es das EEG seit fast 20 Jahren zeigt.

Es wurden Milliarden investiert, ohne wirklich CO2 einzusparen. Stattdessen wurden parallel dazu Kohlekraftwerke am Laufen gehalten, welche wiederum die Umwelt belasten. Es wird ein Anreizsystem benötigt, welches CO2 bepreist und dies auf europäischer Ebene.

Die entsprechenden Genehmigungsverfahren bedürfen ebenfalls einer Beschleunigung. Wenn wir heute Jahre für eine Windpark-Genehmigung brauchen, dann stimmt etwas nicht und somit erreichen wir nicht den Status von stabilen Leitungsnetzen.

Diese Punkte muss die Politik konsequent angehen und in die Umsetzung kommen.

Demografie: Dies ist wahrscheinlich das zentrale Thema der kommenden Dekade. Wie wird es uns gelingen, junge Menschen wieder für Handwerk, für Wirtschaft, für digitale Projekte zu begeistern, dass wir auch dort wieder einen Rahmen spannen, der es jungen Menschen attraktiv erscheinen lässt, sich in solchen Berufen auch zu engagieren.

Die nächsten zehn Jahre werden so viele Vakanzen schaffen, und wir brauchen diese Menschen in der Industrie mehr denn je, denn wir werden unsere Anlagen nicht nur mit Computern steuern oder mit Robotern, sondern wir brauchen Menschen dafür, die mitdenken, die intelligent sind, die auch Lust haben und natürlich dabei auch gutes Geld verdienen.

Hierfür müssen auf politischer Ebene Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ein Aspekt wäre zum Beispiel die Wertschätzung der dualen Ausbildung als zentrales Element.

Dies kann die Wirtschaft alleine nicht leisten, da muss ebenso die Bildungspolitik ihren Beitrag zu leisten. Denn, wir dürfen und können in Zukunft nicht nur Akademiker ausbilden. Wir brauchen Menschen, die bereit sind, eine duale Berufsausbildung zu machen.

Dieser Weg ist stark mit einer Wertschätzung verbunden und den bildungspolitischen Wegen diesen attraktiv den Familien anzubieten.

Da ich für meinen Teil nicht zu der Gruppe gehöre, die nur die Kritik sondern auch die Möglichkeiten sieht, möchte ich noch folgendes anfügen. Wir haben in Europa -und insbesondere natürlich auch in Deutschland- ein hohes Gut der Freiheit, was es wertzuschätzen gilt. Der unternehmerischen Freiheit, Dinge tun zu können, die in anderen Ländern so völlig undenkbar sind.
Wenn ich an China denke, beispielsweise um noch mal ein Exempel herauszugreifen, sind die Voraussetzungen für Unternehmertum zum Teil komplett anders. Wir haben hier ein hohes Gut in Europa, wir haben eine große Stärke mit dem Binnenmarkt, und wir müssen aufhören, es immer nur schlecht zu reden – sondern wir müssen die Chancen, die damit verbunden sind, viel mehr ergreifen, und dazu muss einfach die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

Hierzu gilt, diese Chancen den Menschen positiv zu vermitteln, denn viele registrieren nach wie vor nicht wie gut wir eigentlich in Europa heute immer noch aufgestellt sind. Wir haben eine riesengroße Chance mit der Digitalisierung, mit dem Modell der Nachhaltigkeit, des Green Deals der Europäischen Union, weltweit Maßstäbe zu setzen. Ein Maßstab in der Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft.

Kurz: Wir sollten verstärkt Dinge aufzeigen, die gut funktionieren, als nur die Fehler zu suchen. Hier sehe ich die Aufgabe der Politik einen positiven Drive und eine zukunftsgerichtete Denkweise zu forcieren.

Der soziale Aspekt der Frage ist für mich der Weg zurück zur Normalität, insofern (mit Blick auf die Ukraine) es in diesen Tagen möglich ist. Ein reges Miteinander ohne pandemische Trennung, in Frieden und Sicherheit.

Vielen Dank für den spannenden Talk!

Im Gespräch:

Social Media Talk mit Michael Kundel

DANKE!